Hallenbad: Zukunft wegen Finanzierungslücke ungewiss

(vom 25.04.2018)

Sicherung des Schwimmsportangebots in Duderstadt: Verwaltung legt Alternativen zur Beratung vor.

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Mehrere Unwägbarkeiten erschweren derzeit eine klare Aussage über die Zukunft des Schwimmsportangebots in Duderstadt. Allem voran steht eine stattliche Finanzierungslücke von rund fünf Millionen Euro bei zwei von drei vorgelegten Beschlussvarianten für den Fachausschuss am 26. April. Das Hallenbad Auf der Klappe in Duderstadt ist dringend sanierungsbedürftig. Die veraltete Technik wird von der Eichsfelder Blockheizkraftwerk- und Bädergesellschaft (EBB) als Teil der Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe (EWB) so eben am Laufen gehalten. Sanierungsbedarf besteht auch im Freibad, das ebenfalls von den EBB betrieben wird. In den vergangenen Jahren hat die Stadt Duderstadt versucht, an Fördermittel zu kommen. Im März 2017 stellte der Bund bis zu 3,32 Millionen Euro in Aussicht. Laut Ratsbeschluss wird ein Ersatzneubau im Bereich der Talwiese angrenzend an das Freibad favorisiert. Eine der Voraussetzungen für die Förderung: Bis zur endgültigen Antragstellung muss die Finanzierung des Vorhabens sichergestellt sein. Da das allerdings bislang nicht gelungen ist, verlängerte der Bund auf Bitten der Stadt die Antragsfrist bis Ende Mai 2018. Zur Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport am Donnerstag, 26. April, hat die Stadtverwaltung den aktuellen Sachstand zusammengefasst und unterbreitet drei Beschluss-Varianten. Dazu werden den Kommunalpolitikern für die Entscheidungsfindung auch Zahlen und Fakten vorgelegt – unter anderem über die seit Jahren rückläufigen Besucherzahlen. Nicht öffentlich vorgelegt wird die Höhe der Subventionierung je Badegast im Hallenbad, und auch den Überblick über notwendige Investitionen und die Höhe der Unterhaltungskosten für Hallen- und Freibad bekommen nur die Ratsmitglieder zu sehen. Die Entwicklung der Hallenbad-Besucherzahlen seit 2005 - ohne Privatnutzer- kann in den Beratungsunterlagen eingesehen werden. Danach wurden 2005 aus den Schulen im Landkreis Göttingen, der Stadt Duderstadt sowie von kirchlichen Trägern und Vereinen zusammen 15. 240 Besucher gezählt, 2010 waren es 12 .181 Hallenbad-Nutzer und 2017 nur noch 9.794 Besucher. EWB-Geschäftsführer Markus Kuhlmann sprach im März bei der Versammlung der DLRG Eichsfeld von einer Gesamtbesucherzahl von etwa 16 000 im Jahr 2017, einschließlich privater Badegäste. Bei Bädern mit ähnlicher Struktur lägen die Besucherzahlen bei rund 40.000. Bei einem Gespräch am 10. April mit EBB, Vertretern des Niedersächsischen Landessportbundes, der DLRG, der Initiative „Rettet die Bäder“ und der Stadt sei Konsens aller gewesen, „dass die Variante Ersatz-Neubau am Standort Freibad für die Stadt und die EWB ohne Unterstützung (...) aus finanziellen Gründen (...) leider nicht verantwortbar“ sei, so Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU). Daher sei die Sanierung der bestehenden Halle durchzuführen. In der Sitzungsvorlage werden drei Varianten aufgeführt, wie das Schwimmsportangebot in Duderstadt weiter vorgehalten werden könnte. Alternative eins geht von einem Ersatzneubau am Standort Talwiese mit Gesamtaufwendungen in Höhe von rund 8,39 Millionen Euro aus - abzüglich einer Förderung von 3,32 Millionen Euro bliebe eine Lücke von etwa fünf Millionen Euro. Würde der Ersatzneubau an der Talwiese noch ergänzt, müssten weitere Kosten gegenfinanziert werden: eine fünfte Schwimmbahn mit zusätzlich 310 000 Euro, ein Bewegungsbecken mit 1,1 Millionen Euro, eine Sauna-/Wellnesslandschaft mit 1,4 Millionen Euro und eine Erneuerung der Freibadtechnik mit einer Million Euro. Alternative zwei geht von einer umfassenden Sanierung und Modernisierung des bestehenden Hallenbades mit Kosten in Höhe von rund 6,79 Millionen Euro aus. Die Zuwendung von 3,32 Millionen Euro vorausgesetzt, beliefe sich die Finanzierungslücke auf etwa 3,47 Millionen Euro. Der Einbau eines Bewegungsbeckens und die Erneuerung der Freibadtechnik sind darin noch nicht enthalten. Bei Alternative drei wird auf eine umfassende Sanierung und Modernisierung des Hallenbades verzichtet, nur „dringend notwendige Instandsetzungsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des Schwimmbetriebes sind vorzunehmen“, heißt es in der Vorlage. Die geschätzten Kosten von rund 100. 000 Euro soll die Gesellschaft tragen. Unterdessen hat die SPD-Ratsfraktion in einer Pressemitteilung Kritik an Nolte geübt, der „nicht alle Fakten auf den Tisch gelegt“ habe. Vor allem mit Blick auf den Aspekt des Standortes im Überschwemmungsgebiet hätten Fragen der Machbarkeit und Zusatzkosten aufgrund möglicher Auflagen vor Beantragung der Fördergelder geklärt werden müssen. In seiner Antwort auf eine entsprechende SPD-Anfrage zum Hallenbad-Neubau an der Talwiese hatte Nolte darauf verwiesen, dass im Rahmen der Erstellung des hydraulischen Nachweises „auch die Entwicklungsgedanken zu Freibad/Hallenbad und Feuerwehr einbezogen“ worden seien. (Text: Britta Eichner-Ramm, Eichsfelder Tageblatt vom 25.04.2018)

 

Hallenbad Duderstadt (Foto: Niklas Richter)